Weinkultivierung & Terroir

Eine Sonderstellung im Landschaftsbild der heutigen Kulturlandschaften nehmen die Weinbauregionen ein. Erstmals schriftlich überliefert und im archäologischen Befund nachgewiesen, wurde die planmäßige Rebenkultivierung auf damaligem Land des heutigen deutschen Staatsgebiets in gallo-römischer Zeit, in klimabegünstigten Regionen westlich des Rheins, wie der Mosel und der Pfalz. Seither trägt der Weinbau zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen bei.

Heute existieren in Deutschland 13 Weinbauregionen: Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg mit 102.000 ha Rebfläche und 140 Rebsorten, wobei circa ein Drittel auf die Rebsorten Riesling und Müller-Thurgau entfallen.

   Im Vergleich zur deutschen Anbaufläche betrug die weltweit angebaute Gesamtrebfläche im Jahr 2016 7,35 Mio ha. Dazu im Vergleich beträgt die Fläche in Spanien, welches auf Platz 1 der weinproduzierenden Länder steht, fast 1 Mio ha, Frankreich ~785.000 ha, Italien ~685.000 ha, ~Portugal 215.000 ha, Griechenland 105.000 ha, China 850.000 ha und USA 440.00 ha. Damit liegt die deutsche Rebfläche im internationalen Vergleich im unteren Drittel.

   Viele kleine Winzerbetriebe in Europa setzen nun als eine Reaktion auf die Globalisierungs-tendenzen am Weinmarkt und eine damit tendenziell einhergehende Uniformierung des Weingeschmacks, als Alleinstellungsmerkmal ihres Naturprodukts Wein, auf Authentizität und Herkunft. Die natürlichen Standortfaktoren (Boden, Oberflächengestalt, Klima) und ihre facettenreiche Arbeit im Weinberg und im Keller soll sich als individuelle Charakteristik im Geschmack des Weins widerspiegeln. Genau dies beschreibt der aus dem französischen Agrarbereich stammende Begriff „Terroir“ (frz.; du terroir = regional).

   Bei der Produktion von "Terroir-Weinen" ist das Ziel den Weinstil der Standorte unverfälscht wiederzugeben, um somit ein Maximum der örtlich in der Traube gebildeten Inhalts- und Aromastoffe in den Wein übergehen zu lassen. Dabei werden die naturgegebenen Einflüsse des Standortes nicht überdeckt oder entfernt. Das erfordert eine zurückhaltende Kellerwirtschaft und reduziert damit die Eingriffe im Keller auf ein Mindestmaß. So wirkt z.B. ein Boden, beeinflußt durch das jeweilige Gestein, in hohem Maß Terroir verändernd und beeinflusst damit direkt den Charakter der Weine.

 

Regionale Geologie Rhein-Main-Nahe

Die Region Rhein-Main-Nahe, welche die Weinanbaugebiete Mittelrhein, Nahe, Rheingau und Rheinhessen verbindet, steht für ihren Abwechslungsreichtum und ihre einzigartige Reliefvielfalt im Landschaftsbild. Im Wesentlichen resultiert dies aus der Kombination verschiedenster Gesteinsserien, vierer völlig unterschiedlicher geologischer Zeitstellungen, der Landschaftsformung durch die Flüsse, den vielfältig ausgeprägten Böden und einer damit verbundenen Vegetationsvielfalt.

Von geologisch herausragender Stellung ist im Raum Bingen, süd-westlich des Rochusbergs, das Zusammentreffen von Gesteinsserien dieser vier geochronologisch unterschiedlichen Perioden. Direkt aneinander grenzen dort:

Devon (417-358 Mio. Jahre) - Rheinisches Schiefergebirge

Perm (296-251 Mio. Jahre) - Saar-Nahe Becken

Tertiär (65-1,8 Mio. Jahre) - Mainzer Becken

Quartär (1,8 Mio-heute) - Junge Überdeckung in allen Bereichen

Über Jahrmillionen wurden in der Region vielfältig Vertreter aller Gesteinsgroßgruppen generiert:

  • Magmatite wie z.B. die Rhyolithe des Rotenfelsmassivs
  • Umwandlungsgesteine  oder Metamorhite  wie z.B. die Schiefer u. Quarzite des Mittelrheins u. des Rheingaus
  • Sedimente wie z.B. die Stromberger Kalke, Sand- u. Tonsteine der Nahe-Region, ebenso der Löss u. die Mergel Rheinhessens

Diese relativ kleinräumig in einer Region aneinandergrenzenden Gesteine, lassen Rückschlüsse auf unterschiedlichste Bildungsbedingungen zu. Es lassen sich festländische Sedimentations-gebiete trocken-heißer, wüstenartiger Fluss- u. Seenlandschaften mit z.T. magmatischen Aktivitäten genauso nachweisen, wie eiszeitliche Steppenlandschaften und subtropische Flachmeere mit Strand- und Riffbereichen, als auch Tiefseebereiche. Die diversen Faunen- u. Florenelemente der unterschiedlichen Bildungsmilieus reichen von Seelilien über Panzer-krebse, Seekühe und Haie bis hin zu elefantenartigen Kolossen und ersten Menschenaffen. Die Versteinerungen und Relikte dieser Gemeinschaften lassen sich z.T. im Gelände und in zahlreichen Museen der Region besichtigen.